fbpx
Springe zum Inhalt →

Grünes Band Radtour: #The long and winding road

Gruenes Band Radtour
Hinweisschilder am Grünen Band: leider nicht überall…

Die Beatles haben 1970 auf ihrem letzten Studioalbum Let it be einen ihrer Super-Hits The long and winding road veröffentlicht. Auch wenn dieser Song gut auf das Grüne Band passen würde, glaube ich nicht, dass die Beatles dabei an diesen langen Trail gedacht hatten.

Zonengrenze oder antifaschistischer Schutzwall?

Auf unserer Seite, also von Westen aus geschaut, hörte das Land, die BRD, irgendwann, irgendwo auf und endete im Gestrüpp, mit Hinweisschildern und verbarrikadierten Straßen. Zonenrandgebiet klang ähnlich erotisch wie Fußpilz oder Mundgeruch. Von der östlichen Seite war die Grenze viel „effektiver“, effektiv im Sinne von: Gewalt, Todeszone, verbotenes Gebiet mit einem ausgeklügelten Überwachungssystem. Der „anti-faschistische Schutzwall“, so im DDR-Sprachgebrauch, sollte die Errungenschaften des Sozialismus schützen. Das war jedoch eine eher untaugliche Geschichte fürs DDR-Sandmännchen. Es war klar, dass diese tödliche Grenze DDR-Bürger daran hindern sollte, Republikflucht zu begehen. Es gibt immer noch (oder wieder) Zeitgenossen, die den Schusswaffengebrauch an der innerdeutschen Grenze als normales „Grenzregime“ zu rechtfertigen versuchen, so wie bei anderen wiederum der Schusswaffengebrauch zur Verhinderung der Einreise heutzutage als normal angesehen wird.

Maueröffnung und Grünes Band

Nach der Maueröffnung 1989 verfiel dieser bis zu 500 m breite Streifen in einen ökologischen Dornröschenschlaf, der nur langsam nachlässt – was immer noch ein großes Glück ist. Es gibt etliche Initiativen, dieses Gebiet unter historischen und vor allem auch Naturschutz-Gesichtspunkten bewahren zu wollen. Neben der traurigen Tatsache, dass zwischen 1961 und 1989 im Grenzgebiet 270 Menschen durch DDR-Grenzer getötet wurden, konnte sich diese Zone für Fauna und Flora mit nur wenigen Eingriffen des Menschen ungestört entwickeln. Ein noch größeres „Experiment“ unter ähnlich unseligen Vorzeichen stellt die Grenzregion zwischen Nord- und Südkorea dar; dort haben in der DMZ Tiere und Pflanzen einen vom Menschen ungestörten, unberührten Lebensraum. Ich vermute, dass selbst der „grünste“ Öko-Befürworter diese Art von Experimenten nicht mit Inbrunst befürworten würde. Gerade erst ist die DMZ beim Überraschungsbesuch von Donald bei den Kims ins Rampenlicht gerückt. Am besten sollte man beiden dort – meinethalben – ein Luxusresort bauen, am besten gleich mit lebenslangem Wohnrecht (oder Wohnpflicht!). In jedem Fall stellt das Grüne Band heute den größten Biotopverbund in Deutschland dar – vielleicht wird eines Tages tatsächlich die Idee für ein durchgehendes Naturschutzgebiet verwirklicht. Bis dahin muss man noch lange träumen, denn die Streckenführung wird immer wieder durch landwirtschaftliche Nutzung oder bebaute Flächen auf der einen Seite und durch totale Verwilderung auf der anderen unterbrochen. In den letzen Jahren wurden einige Erfolge erzielt, dass dem Flächenraubbau auch durch landesgesetzliche Initiativen ein Riegel vorgeschoben wurde – spät, aber hoffentlich doch nicht zu spät.

Nicht nur Genussradeln, aber viele „Wow’s“

Was den Trail für Fahrradfahrer und Fußgänger ausmacht: Weitgehend unberührte Natur, (noch) wenig touristische Infrastruktur, einsame Landschaften, tolle Ausblicke – und der schön verf***te Kolonnenweg, der am Fahrradrahmen und/oder den Bandscheiben kräftig zerren kann. Dieser Weg mit betonierten Normplatten diente den Grenztruppen zur raschen Fahrt zwischen den einzelnen Kontrollpunkten und Wachtürmen. Heute sind viele dieser Betonplatten-Wege immer noch „gut“ erhalten. Sie trotzen anscheinend Wind und Wetter auf besonders zähe Weise und zwingen Radfahrer wie Fußgänger zu einer beschwerlichen Tor-tour. Meine Streckenplanung wird versuchen, diese Betonplatten zu meiden, aber leider lässt es sich nicht gänzlich ausschließen.

Wichtige Landmarken

Hier sind die einige der wichtigsten Landmarken für das Grüne Band:

  • Start ist für mich im kleinen bayerischen Städtchen Rehau
  • Das Dreiländereck mit Tschechien, Bayern und Sachsen ist der Ausgangspunkt der Tour
  • Klein-Berlin oder Mödlareuth, das geteilte Dorf
  • Das Kommunarden-Café bei Tettau
  • Der südlichste Punkt des Grünen Bands zwischen Eckartshausen und Wasmuthhausen
  • Das Fulda Gap mit Point Alpha in Geisa
  • Der weithin sichtbare Monte Kali bei Heringen an der Werra
  • Der Genuss-Abschnitt im schönen Werratal
  • Creuzburg – nicht weit von Eisenach – dort warten meine Frau und zwei Ruhetage auf mich
  • Das Eichsfeld in Thüringen und Hessen
  • Der Brocken als Sehnsuchtsziel und höchste Erhebung bei dieser Tour darf nicht fehlen
  • Die alte Transitstelle bei Marienborn
  • Und dann geht’s nur noch runter: Salzwedel, Arendsee, Schnackenburg an der Elbe, Dömitz, Schaalsee
  • Hurra: es ist geschafft – die Ostsee beim Priwall ist erreicht!
  • Für ganz Sportliche ginge es weiter über Wismar, Rostock, Stralsund bis zur polnischen Grenze bei Swinemünde
Grünes Band - gruenes Band im Bild und auf Schildern
Manchmal hat man Glück und findet Hinweisschilder

Veröffentlicht in Allgemein

4 Kommentare

  1. Monika Monika

    Moin, moin, dein Blog gefällt mir gut, obwohl noch gar nichts passiert ist, so kann man die geneigte Leserschaft auch einstimmen und sich schon vorab an die Leine nehmen;-) Da ich aus dem Wendland komme, muss ich dennoch mal laut protestieren, denn deine Landmarken-Übersicht geht so einfach drüber weg. Ich finde das Teilstück des Grünen Bands zwischen Bergen und der Elbe (und auch die Elbe dann runter) sehr lieblich und landschaftlich wunderschön. Vielleicht fehlt dir das Gekeuche über die Mittelgebirge, der Fernblick vom Brocken, aber bei uns hast du eine Weite der Landschaft mit viel Kultur und besonderen (dickköpfigen) Menschen – ich hoffe, wir lesen doch noch Ausführlicheres, wenn du hier vorbeikommst. Lieben Gruß Monika

    • Stefan Stefan

      Ja, das ist natürlich ganz unverzeihlich von mir, dass ich das Wendland und die Tiefebene nicht berücksichtigt habe. Ich freue mich jedoch sowieso auf diese Gegend, weil dann die Berge vorbei sind und hoffentlich das flache Land trotzdem Abwechslung bereithält. Nach deinen Äußerungen zu schließen bist du ja ganz überzeugt vom Wendland – ich werde mich überraschen lassen – ciao Stefan

  2. Rainer Schulze Rainer Schulze

    Hallo Stefan!

    Durch deinen Rundbrief an die alten (!) Klassenkameraden bin ich auf deinen Blog gestoßen. Die Idee zu dieser Radtour finde ich toll. Ich werde demnächst öfter mal „vorbei schauen“ und bin schon gespannt auf Neuigkeiten!

    Eine Frage zum Blog habe ich noch: Kann man den Blog abonnieren? Ich erhielte beim Eintreffen neuer Beiträge dann jeweils eine Benachrichtigungs E-Mail.

    Viel Spaß nun bei Vorbereitung und Durchführung!

    • Stefan Stefan

      Guten Morgen Rainer, das ist ja ne Überraschung! Ich hoffe, das Lesen macht dir Spaß und gibt vielleicht auch ein paar Anregungen für neue „Ausflüge“. Zu deiner Frage: wahrscheinlich geht das (irgendwie), ich werde mich dazu schlau machen. Ich fahre erst am 20./21. August los und dann soll zumindest nach meiner heutigen Vorstellung jeden Tag etwas geschrieben werden. Ob ich das durchhalte -> ? Eventuell habe ich abends auch keine Lust mehr, etwas zu schreiben, so dass das dann etwas mit Verzögerung nachgeholt wird. Das ist der PLAN 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.