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Grünes Band Radtour: Radfahren macht Spaß

Fahrradfahren – und das ist seit langem bekannt – ist gesund und macht lustig. Gut, heute gibt es auch etliche Radfahrer, die eher wie Ben Hur – nur ohne Pferde – durch unsere Städte rasen und das „Verkehrswende“ nennen. Ist auch was dran, ganz ohne Frage. Und jetzt kommen auch noch die E-Scooter hinzu.

Bike-Life-Balance

Schließlich gibt es eine Spezies, die eine richtig lange Tour mit einem Sonntagnachmittagsausflug in die nähere Umgebung verwechselt. So einer bin ich, denn mein Ziel ist es, das Grüne Band, also die unselige Grenze zwischen den beiden Deutschländern, innerhalb von vier Wochen zu erkunden. Zeit genug habe ich, denn am 15.8.2019 wird mein letzter Arbeitstag sein – danach muss ich mich nur noch um die bike-life-balance kümmern. Damit meine ich auch das gemeinsame Leben mit meiner Frau, die mir aus der Ferne zuschauen wird, aber dabei bleibt es nicht. Wir wollen uns in der Mitte sowie am Ende der Tour für eine Genuss- und Auszeit treffen.

Muss man verrückt sein, um eine 1.250 Km lange Tour mit einigen deftigen Teilstücken im Mittelgebirge toll zu finden: vermutlich nicht. Es macht Spaß, ein solches Unterfangen zu planen und dann bei der Umsetzung einige der Highlights entlang des alten Grenzverlaufs aufzuspüren. Außerdem – da sind wir wieder beim Ausgangspunkt – Radfahren ist gesund und steigert die Laune. Vielleicht hat jemand eine der witzig-interessanten Expeditionen von und mit Michael Kessler im rbb-Fernsehen gesehen, bei der er mit einem völlig untauglichen rbb-Postrad eine 450 Km lange Alpenüberquerung machte – auch der beherzigte (fast immer) den Tipp zum Lächeln.

Iron Curtain Trail

Doch zurück zum Grünen Band: erst bei der näheren Planung fiel mir auf, dass die Strecke zum Iron Curtain Trail gehört. Weniger martialisch ausgedrückt: das ist der Eurovelo Radweg # 13 von Kirkenes in Nord-Norwegen bis ans Schwarze Meer. Wenn ich diese Strecke mit meiner Tour vergleiche, dann komme ich mir sehr klein vor, weil der EV 13 eine gesamte Streckenlänge von über 7.500 Km hat. Da kann man mal ein „unfassbar“ einstreuen … Der EV 13 ist ein gesamteuropäisches Projekt, das seit 2005 von der EU unterstützt wird, aber vermutlich noch lange benötigt, bis alles stimmt.

Natürlich gibt es auch unzählige interessante Trails im In- und im Ausland. Vor ein paar Wochen wurde wieder einmal die aktuelle Liste der 10 beliebtesten Radtouren vorgestellt – das Grüne Band war definitiv nicht dabei, denn meistens handelte es sich um Strecken entlang von Flüssen. Da ich schon immer von der deutsch-deutschen Geschichte fasziniert war, verbinde ich die spannenden Fakten aus unserer jüngeren Geschichte mit einer herausfordernden Radtour.

Grünes Band und Radfahren

Die Intention des Grünen Bands ist die Schaffung eines durchgängigen Naturschutzgebiets, um seltene Pflanzen zu schützen und bedrohten Tierarten eine sichere Umgebung zu ermöglichen. Diese Art von Wildnis ist in Deutschland und Europa einzigartig, da es einem paradiesischem Rückzugsraum gleicht. Wenn man allerdings die Entstehungsgeschichte einbezieht, dann bekommt das Paradies einige Kratzer. Mit dem Mauerfall erblickte die Initiative zum Grünen Band das Licht der Welt, obwohl auf westdeutscher Seite schon etliche Jahre zuvor mit der Erforschung von Fauna und Flora im Grenzgebiet begonnen worden war. Einer dieser Aktivisten der allerersten Stunde war Kai Frobel, der schon Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts erkannte, was für ein Juwel der Grenzstreifen unter ökologischen Gesichtspunkten war. Er gilt als der Gründer und Vater (wo ist die Mutter?) des Grünen Bands.

Gerade diese Einzigartigkeit macht das Grüne Band für naturbegeisterte Menschen auch heute so attraktiv. Doch damit fangen gleich die Sorgen an, denn mit der Anzahl der Besucher – als Wanderer oder Radfahrer – wächst die Belastung für Fauna und Flora. Also bitte schön in acht nehmen und nicht kopflos durchs Unterholz pflügen oder bei der Habichtfamilie mal ins Nest schauen (letzteres wird zum Glück sowieso nicht funktionieren). Das gilt für Radfahrer – auch und vor allem Mountainbiker – wie Wanderer gleichermaßen.

Veröffentlicht in Allgemein

3 Kommentare

  1. Manni Manni

    Der Vierteiler zur Tour vom Micheal Kessler war klasse – der Junge hat sich kräftig die beine zusammengestrampelt. Ich war von seinen Begegnungen, die er unterwegs hatte beeindruckt – wünsche dir auch viele interessanten oder berührende Treffen auf der Tour

  2. Rainer Schulze Rainer Schulze

    Zum Iron Curtain Trail noch ein „Literaturhinweis“: der englische Journalist und Schriftsteller Tim Moore ist diese Strecke gefahren, und zwar mit einem Klapprad aus DDR-Produktion. Darüber hat er ein Buch geschrieben („Mit dem Klapprad in die Kälte“), das jedoch leider nicht das Niveau von „Alpenpässe und Anchovis“ erreicht. Letzteres kann ich dir wärmstens ans Herz legen, wenn du Lust darauf hast, dich abends im Bett beim Lesen vor Lachen zu schütteln.

    • Stefan Stefan

      Ich muss gestehen: ich kenne weder das eine noch das andere… Danke für diesen Tipp, der anscheinend aus ganz natürlichen (und ganz anständigen) Gründen Betten zum Wackeln bringen kann… Bin gespannt, ob ich das Buch für den Tolino auftreiben kann.

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